Interviews

Warum wurdest du FCR Mitglied und wie lange bist du schon dabei?

Ganz einfach ­čśŐ. Matthias, Sandra, Gerd und ich hatten einen Fotowalk zum Schnuppern durch Regensburg. Ich f├╝hlte mich von Anfang an wohl, konnte mit Sandra gute Gespr├Ąche f├╝hren. Danke Sandra ­čśů.Nach knapp 2 Jahren Mitglied vom FCR, m├Âchte ich einige Mitglieder nicht mehr missen wollen. In der Gruppe macht es mir sehr gro├čen Spa├č, den Sonnenuntergang zu fotografieren oder auf Lost Place Tour zu gehen oder einfach nur ratschen.

Welche Aufnahmebereiche bevorzugst du?

Meine gr├Â├čte Leidenschaft ist die Lost Place Fotografie. Es ist f├╝r mich etwas besonderes diese Orte / Objekte zu fotografieren. Die Zeit steht einfach still und es herrscht Ruhe. Manchmal vergesse ich bei einen Lost Place komplett die Zeit um mich herum, kommt auch schon vor, das ich mich 3 Stunden bei einen kleinen Objekt aufhalte.
Ehrenamtlich fotografiere ich f├╝r dein Sternenkind im Landkreis Regensburg/ Schwandorf und Amberg.

Mit welchem Equipment bist du unterwegs?
Ich brauche nicht viel, ich bevorzuge meine kleine Nikon 3300. Gerade bei Lost Place, brauche ich was kleines handliches. Eine “ gro├če “ Kamera und auch ein Rucksack w├╝rde mich nur st├Âren, wenn ich in einen Bunker rein krabble ­čśé.

Gibt es fotografisch gesehen Vorbilder f├╝r Dich?
Nein, ich habe meinen eigenen Stil.

Sternenkind? Was ist das und wie l├Ąuft das ab?
Dein Sternenkind kurz DSK.
Ich erz├Ąhle euch ein wenig ├╝ber den Ablauf.
Das Klinikpersonal, Eltern, Freunde oder Verwandte melden sich ├╝ber eine Rufnummer bei DSK, diese Nummer ist 24/7 erreichbar. Hier gibt derjenige an, ob das Kind noch lebt/verstorben ist, welche Schwangerschaftswoche/ Alter, Eltern anwesend oder nicht, mit oder ohne Geschwister, die Ursache ├╝ber die Krankheit/ Tod.

Die Koordinaten bei DSK gibt diese Meldung per App an die jeweiligen Fotografen im Umfeld der Klinik/ Privathaushalt/ Bestatter. Mein Handy gibt einen sehr lauten Ton von sich. Bei der App kann ich auf annehmen oder ablehnen dr├╝cken.

Wenn ich einen Einsatz annehme, packe ich meine Kamera, eine Tasche mit Kleidung und “ Dekosachen“.

Dekosachen sind Blumen, Federn, Decken oder auch Kuscheltiere. Danach melde ich mich an, bei der Person, die sich angemeldet hat, das ich zum Fotografieren komme. Am Telefon bitte ich die Person, das sie die kleinen ( sehr fr├╝he Schwangerschaftswochen 8 – 20 Woche) in ein gek├╝hltes Wasserbad legen. Das Wasserbad macht Sinn, wenn die kleinen schon l├Ąnger im Mutterleib verstorben sind und kaum Fruchtwasser vorhanden war. Die Kleinen bleiben “ frisch“.

Nach Ankunft gehe ich zur Station, Haushalt oder der Bestattung und frage in welches Zimmer ich zum fotografieren darf. Zum Gl├╝ck sind in den meisten Kliniken gro├če Fenster, denn das Krankenhauslicht ist schrecklich “ gr├╝n“.
Im Zimmer angekommen wird mir das Kind gereicht, wenn keine Eltern mehr anwesend sind, hole ich das Kind aus der K├╝hlung oder dem Wasserbad. Sind die Eltern da, ist das Kind meistens mit im Zimmer. Ich mache meine Fotos. Meine Dekosachen ben├Âtige ich zum Abdecken der viel zu gro├čen Nabelklemme, bei Hautabl├Âsungen oder f├╝r den Intimbereich.

Nach dem fotografieren ziehe ich dem Kind noch etwas sch├Ânes an und ├╝bergebe es den Eltern/ Klinikpersonal oder der Bestattung.

Das klingt jetzt direkt so als ob es strikt nach Programm l├Ąuft?

Jeder Einsatz verl├Ąuft anders. Einmal hatte ich einen sehr traurigen Papa, die Mama war noch im Op- Saal. Er war dankbar, da├č ich bei ihm in der schweren Zeit war.
F├╝r mich der emotionalste Einsatz war in einen Privathaushalt. Knappe 2 Stunden war ich bei der Familie, Gro├čeltern und Patentante. Die Mama wollte mich nicht gehen lassen, hatte sehr viele Bildideen. Bei der Verabschiedung dr├╝ckte sie mich ganz fest und sagte……wenn du f├Ąhrst, kommt der Bestatter und nimmt mir meine Kleine weg.

In diesen Augenblick war ich in schockstarre.
Drei Stra├čen weiter habe ich mein Auto geparkt eine geraucht und geweint und meinen Mann Matthias angerufen, ich brauchte ihn zum Reden. Danke ­čą░
Jetzt, nach knapp einen Jahr nach diesen Einsatz , stehe ich mit den Eltern noch immer in Kontakt.

Alle meine Sterncheneltern sind ├╝ber das erste und letzte Bild sehr dankbar.

Warum machst du das?

Ich habe nichts von einem Einsatz, das ganze l├Ąuft komplett auf Ehrenamt. Ich m├Âchte einfach den Eltern noch einen letzten Wunsch erf├╝llen, und da ich die M├Âglichkeit habe, dies mit der Kamera zu tun, setzte ich mich sehr gerne daf├╝r ein.

Den betroffenen Eltern bleibt nur eine kurze Zeit mit ihrem Kind. Umso wichtiger ist es, in dieser Zeit Erinnerungen zu schaffen.

Vielen Dank Anja.